Deutsche Cloud-Anbieter: Hetzner, Strato und MagentaCloud im Vergleich

Abstrakte redaktionelle Illustration zum Thema Datenspeicher: Rechenzentrum mit Schutzschild als Symbol für deutsche Cloud, dunkles Schiefergrau mit warmen Amber-Akzenten

Verfasst von

in

Kurzantwort: Drei ernsthafte Optionen für Daten auf deutschen Servern: Hetzner Storage Share (managed Nextcloud, 1 TB für ca. 5 €/Monat), Strato HiDrive (Berliner Anbieter, 1 TB ab 5 €/Monat im Jahrestarif) und die MagentaCloud der Telekom (1 TB für 9,95 €/Monat). Alle drei arbeiten DSGVO-konform; sie unterscheiden sich in Funktionsumfang, Verschlüsselung und Preis. Stand September 2026.

Inhalt:

Abstrakte Illustration: Rechenzentrum mit Schutzschild als Symbol für deutsche Cloud, dunkles Schiefergrau mit Amber-Akzenten

Warum „deutsch" überhaupt?

Der Serverstandort ist keine Gefühlsfrage, sondern eine Rechtsfrage. Liegen Ihre Daten bei einem US-Anbieter, unterliegen sie US-Recht – der CLOUD Act erlaubt US-Behörden unter bestimmten Voraussetzungen den Zugriff, egal wo auf der Welt die Server physisch stehen. Bei einem deutschen Anbieter mit Servern in Deutschland gilt deutsches und europäisches Recht, und die DSGVO gibt Ihnen einklagbare Rechte: Auskunft, Löschung, Datenübertragbarkeit.

Das heißt nicht, dass US-Anbieter unsicher wären – technisch sind iCloud, Google Drive und OneDrive hervorragend abgesichert. Es heißt aber, dass Sie bei einem deutschen Anbieter im Streitfall vor einem deutschen Gericht klagen und sich auf europäisches Datenschutzrecht berufen können. Für Privatfotos mag das egal sein; wer beruflich mit Kundendaten arbeitet oder einfach das Prinzip „meine Daten bleiben in Europa" verfolgt, fährt mit einem deutschen Anbieter besser.

Wichtig dabei: „Deutscher Anbieter" ist kein geschützter Begriff. Entscheidend sind der Serverstandort (wo liegen die Daten physisch?) und der Sitz des Unternehmens (welchem Recht unterliegt es?). Alle drei Anbieter in diesem Vergleich erfüllen beide Kriterien: deutsche Unternehmen, Server in Deutschland. Ein Hinweis in eigener Sache: Dieser Artikel gibt Orientierung, aber keine Rechtsberatung – ob ein Anbieter für Ihre konkrete berufliche Nutzung DSGVO-konform einsetzbar ist, klären Sie im Zweifel mit fachkundiger Beratung.

Hetzner Storage Share: Managed Nextcloud zum Kampfpreis

Hetzner ist eigentlich ein Hosting-Riese aus Gunzenhausen, kein Cloud-Speicher-Anbieter im klassischen Sinne. Mit „Storage Share" vermietet Hetzner aber eine vollständig verwaltete Nextcloud-Instanz – also die bekannte Open-Source-Cloud-Software, bei der Hetzner Updates, Backups und Serverbetrieb übernimmt. Sie bekommen die Flexibilität von Nextcloud (Apps, Kalender, Kontakte, Office-Integration) ohne den Administrationsaufwand.

Die Tarife sind aggressiv bepreist: NX11 mit 1 TB für ca. 5 Euro pro Monat, NX21 mit 5 TB für ca. 14,19 Euro zzgl. USt. pro Monat (Stand: September 2026). Es gibt keine Mindestvertragslaufzeit und keine Kündigungsfrist, die Nutzerzahl ist unbegrenzt – Sie zahlen nur für den Speicher. Die Server stehen in Falkenstein in Deutschland, die Datenverarbeitung erfolgt DSGVO-konform, und ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung (AV-Vertrag) nach Art. 28 DSGVO lässt sich online abschließen (Quelle, Quelle Preise).

Technisch überzeugt das Paket: Backups von Datenbank und Speicher werden mehrmals täglich automatisch erstellt, das Dateisystem toleriert mehrere gleichzeitige Plattenausfälle, und der Traffic ist unlimitiert. Der Zugriff funktioniert über Web, Nextcloud-Apps für alle Plattformen und WebDAV.

Die ehrlichen Einschränkungen: Es ist eine verwaltete Nextcloud, keine eigene. Sie können aus dem Nextcloud-App-Store zwar Apps nachinstallieren, bekommen dafür aber keinen Hetzner-Support, und besonders anspruchsvolle Funktionen wie performante Gruppen-Videokonferenzen laufen auf der geteilten Infrastruktur nur eingeschränkt. Wer Nextcloud lieber selbst hosten will, findet dort die ehrliche Kostenrechnung – Storage Share ist die bequeme Alternative dazu.

Strato HiDrive: Der Berliner Allrounder

Strato aus Berlin ist einer der ältesten deutschen Hoster und betreibt mit HiDrive eine klassische Online-Festplatte „Made in Germany". Im Gegensatz zu Hetzner ist HiDrive kein Nextcloud, sondern eine eigenständige Lösung mit Web-Oberfläche, Apps und Protokoll-Unterstützung (WebDAV, SMB, ab den größeren Tarifen auch SFTP und rsync).

Die Privattarife sind gestaffelt nach Speicher und Laufzeit: Starter mit 500 GB (6,00 €/Monat oder 3,50 €/Monat im Jahrestarif), Basic mit 1 TB (7,50 €/Monat oder 5,00 €/Monat im Jahrestarif), Plus mit 2 TB (12,50 €/Monat oder 10,00 €/Monat im Jahrestarif) und Family mit 2 TB für bis zu 5 Nutzer (17,50 €/Monat oder 15,00 €/Monat im Jahrestarif). Für Geschäftskunden gibt es Business-Tarife ab 1 TB (Quelle).

Sicherheitsseitig bietet HiDrive Verschlüsselung bei Übertragung und Speicherung auf dem Server, eine Zwei-Faktor-Authentifizierung und automatische Backups mit einstellbarer Vorhaltezeit (Quelle). Das ist solide, aber keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im strengen Sinne: Strato hält die Schlüssel und könnte Ihre Daten theoretisch lesen – wie bei fast allen klassischen Cloud-Speichern.

HiDrive ist die richtige Wahl, wenn Sie eine unkomplizierte deutsche Online-Festplatte suchen, die einfach funktioniert: Dateien hochladen, teilen, per App zugreifen, fertig. Wer mehr will – Kalender, Kontakte, kollaboratives Office, ein App-Ökosystem –, ist bei Hetzners Nextcloud besser aufgehoben.

MagentaCloud: Die Telekom-Cloud

Die MagentaCloud der Deutschen Telekom ist der konservativste der drei Anbieter – und für manche genau deshalb der richtige. Das Alleinstellungsmerkmal steht schwarz auf weiß: Die Server stehen ausschließlich in Deutschland, in Hochsicherheitsrechenzentren der Telekom. Kein anderer Anbieter in diesem Vergleich formuliert das so absolut.

Die Tarife: Free und S sind unentgeltlich, danach M mit 100 GB für 1,95 Euro, L mit 500 GB für 4,95 Euro, XL mit 1 TB für 9,95 Euro und XXL mit 5 TB für 39,95 Euro pro Monat (laut offizieller Telekom-Leistungsbeschreibung, Stand August 2025; geprüft September 2026). Telekom-Kunden bekommen je nach Vertrag kostenloses Zusatzkontingent – wer ohnehin Telekom-Kunde ist, sollte das prüfen, bevor er zahlt (Quelle, Quelle).

Der Funktionsumfang ist bewusst schlicht: Dateien speichern, teilen, per App zugreifen, dazu eine Office-Integration über Collabora. Keine Nextcloud-Apps, kein Ökosystem, keine Spielereien. Dafür bekommen Sie den einzigen Anbieter, bei dem selbst Skeptiker nicht nach dem Serverstandort fragen müssen – und einen deutschen Telefonsupport, der im Zweifel tatsächlich erreichbar ist.

Der Preis pro Gigabyte ist der höchste der drei – 1 TB kostet hier fast doppelt so viel wie bei Hetzner. Sie zahlen den Telekom-Aufschlag für Marke, Support und die Garantie deutscher Hochsicherheitsrechenzentren. Ob Ihnen das den Aufpreis wert ist, hängt davon ab, wie viel Ihnen diese Garantie bedeutet.

Die drei im direkten Vergleich

Hetzner Storage Share Strato HiDrive MagentaCloud
1 TB pro Monat ca. 5 € 5,00 € (Jahrestarif) / 7,50 € (monatlich) 9,95 €
2 TB pro Monat – (5 TB: ca. 14,19 € + USt.) 10,00 € (Jahrestarif) / 12,50 € (monatlich) – (5 TB: 39,95 €)
Gratis-Tarif nein nein ja (Free/S)
Serverstandort Deutschland (Falkenstein) Deutschland ausschließlich Deutschland
Basis-Software Nextcloud (managed) Eigenentwicklung Eigenentwicklung
Office-Integration ja (Apps) ja (Web-Office in Business) ja (Collabora)
Mindestlaufzeit keine je nach Tarif monatlich kündbar
AV-Vertrag ja (Art. 28 DSGVO) auf Anfrage ja

Alle Preisangaben: Stand September 2026. Hetzner ist der Preis-Leistungs-Sieger, Strato der ausgewogene Allrounder mit der besten Protokoll-Vielfalt, MagentaCloud die Premium-Option für maximale Standort-Garantie.

Stilisierte Szene: deutsches Rechenzentrum von außen (stilisiert), dunkles Schiefergrau mit Amber-Akzenten

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Wer bietet was?

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen – und die Wahrheit ist unbequem: Keiner der drei verschlüsselt standardmäßig Ende-zu-Ende. Alle drei verschlüsseln die Übertragung (TLS) und die Speicherung auf ihren Servern, aber die Schlüssel liegen beim Anbieter. Echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – bei der nur Sie den Schlüssel halten – ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Die MagentaCloud bildet die löbliche Ausnahme im Angebot: Laut offiziellem Telekom-Blog ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in den Tarifen M, L, XL und XXL verfügbar – Sie legen Ordner an, sichern sie mit einem eigenen Schlüssel, und die Telekom warnt ausdrücklich: Geht der Schlüssel verloren, sind die Daten unwiederbringlich verloren, denn es gibt keine Hintertür (Quelle). Genau so muss E2E funktionieren – aber sie ist opt-in, nicht Standard.

Zum Vergleich: MEGA, der neuseeländische Anbieter, verschlüsselt standardmäßig Ende-zu-Ende – dafür liegen seine Server außerhalb der EU. Das ist der klassische Zielkonflikt: maximale Verschlüsselung oder maximale Rechtsstandort-Garantie, selten beides. Wer beides will, verschlüsselt selbst vor dem Upload – etwa mit Cryptomator oder VeraCrypt-Containern – und nutzt die deutsche Cloud als reinen Speicher.

AV-Vertrag und DSGVO: Was Sie prüfen sollten

Für Privatanwender ist die DSGVO-Lage bei allen drei Anbietern unkompliziert: Deutsche Unternehmen, deutsche Server, deutsche Datenschutzerklärungen. Spannend wird es erst bei beruflicher Nutzung – sobald Sie Kundendaten, Patientendaten oder Mitarbeiterdaten in der Cloud speichern, brauchen Sie einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung (AV-Vertrag) nach Art. 28 DSGVO.

Hetzner bietet den AV-Vertrag für Storage Share direkt online zum Abschluss an – vorbildlich. Bei der Telekom und Strato ist er auf Anfrage erhältlich, bei Business-Tarifen meist Standard. Prüfen Sie außerdem die technischen und organisatorischen Maßnahmen (TOMs): Wo genau stehen die Server? Wer hat administrativen Zugriff? Gibt es ein Löschkonzept? Seriöse Anbieter dokumentieren das offen.

Noch einmal der ehrliche Hinweis: Ob ein Cloud-Anbieter für Ihre konkreten Daten und Ihren Anwendungsfall DSGVO-konform einsetzbar ist – etwa bei besonderen Kategorien personenbezogener Daten oder behördlichen Anforderungen –, ist eine Rechtsfrage des Einzelfalls. Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.

  • Hetzner Storage Share (1 TB ca. 5 €/Monat): managed Nextcloud, unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis, Server in Falkenstein.
  • Strato HiDrive (1 TB ab 5 €/Monat im Jahrestarif): Berliner Allrounder mit Protokoll-Vielfalt und 2FA.
  • MagentaCloud (1 TB 9,95 €/Monat): Server ausschließlich in Deutschland, E2E-Verschlüsselung in den Tarifen M–XXL verfügbar.
  • Alle drei: deutsche Unternehmen, deutsche Server, DSGVO-konform – keine Rechtsberatung, nur Orientierung.
  • Echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist bei allen drei die Ausnahme; für hochsensible Daten zusätzlich selbst verschlüsseln.
  • Alle Preise: Stand September 2026.

Häufige Fragen

Sind deutsche Cloud-Anbieter automatisch DSGVO-konform?

Nein – „deutsch" allein garantiert nichts. Entscheidend sind Serverstandort, Unternehmenssitz, ein AV-Vertrag bei beruflicher Nutzung und die technischen Maßnahmen des Anbieters. Alle drei hier verglichenen Anbieter erfüllen die Grundlagen (deutsches Unternehmen, Server in Deutschland), aber die DSGVO-Konformität Ihrer Nutzung hängt auch davon ab, was Sie speichern und wie Sie den Dienst einsetzen.

Kann ich von einem US-Anbieter zu einem deutschen wechseln?

Ja, und es ist weniger Aufwand als befürchtet. Laden Sie Ihre Daten beim alten Anbieter herunter (oder synchronisieren Sie sie lokal) und laden Sie sie beim neuen hoch. Bei einigen hundert Gigabyte dauert das je nach Internetleitung Stunden bis Tage – planen Sie das am Wochenende ein. Achten Sie beim Umzug darauf, Freigabe-Links neu zu erstellen, denn die alten funktionieren nach dem Wechsel nicht mehr.

Was passiert mit meinen Daten, wenn der Anbieter pleitegeht?

Deutsche Anbieter unterliegen dem deutschen Insolvenzrecht – Ihre Daten gehören Ihnen, nicht zur Insolvenzmasse. In der Praxis würden Sie eine Frist zur Datenabholung bekommen. Trotzdem gilt: Die Cloud ist kein Backup-Ersatz. Wer seine Daten nach der 3-2-1-Regel sichert, ist von der Existenz eines einzelnen Anbieters unabhängig – egal, wo dessen Server stehen.

Lohnt sich der Aufpreis der MagentaCloud gegenüber Hetzner?

Das hängt von Ihren Prioritäten ab: Hetzner bietet für ca. 5 Euro im Monat 1 TB managed Nextcloud mit großem Funktionsumfang, die MagentaCloud kostet für 1 TB 9,95 Euro bei schlankerem Funktionsumfang. Den Aufpreis zahlen Sie für die Telekom-Marke, den deutschen Telefonsupport und die Garantie, dass alle Server in deutschen Hochsicherheitsrechenzentren stehen. Wer diese Garantie nicht braucht, fährt mit Hetzner günstiger.

Quellen

Alle Preise und Tarifdetails: Stand September 2026. Anbieter ändern Konditionen regelmäßig – prüfen Sie die aktuellen Tarife vor dem Abschluss. Dieser Artikel gibt Orientierung, keine Rechtsberatung.