Kurzantwort: Kurzfristig gewinnt fast immer die Cloud: keine Anschaffungskosten, sofort startklar, ab etwa 1 Euro im Monat. Langfristig – über fünf Jahre – kann ein eigenes NAS günstiger sein, sobald Sie dauerhaft mehrere Terabyte speichern. Der Break-even liegt typischerweise nach zwei bis vier Jahren. Entscheidend sind aber nicht nur die Euro: Verfügbarkeit, Wartungsaufwand und Ihre Internetleitung zählen genauso.
Inhalt:
- Die zwei Modelle im Überblick
- Was die Cloud wirklich kostet – über 5 Jahre
- Was ein NAS wirklich kostet – über 5 Jahre
- Die Break-even-Rechnung: Ab wann kippt es?
- Versteckte Kosten, die beide Seiten gern verschweigen
- Nicht alles ist Geld: Verfügbarkeit, Tempo, Aufwand
- Kombinieren statt entscheiden: Die clevere Mitte
- Für wen passt was? Die ehrliche Empfehlung
- Das Wichtigste in Kürze
- Häufige Fragen
- Quellen

Die zwei Modelle im Überblick
Zwei grundverschiedene Konzepte buhlen um Ihre Daten. Cloud-Speicher bedeutet: Ihre Dateien liegen auf Servern eines Anbieters (Apple, Google, Microsoft, Hetzner & Co.), Sie zahlen monatlich oder jährlich pro Speicherkontingent und greifen von überall darauf zu. Keine Hardware, keine Wartung, keine Gedanken an Ausfälle – dafür laufende Kosten und ein Vertrauensverhältnis zum Anbieter.
Ein NAS (Network Attached Storage) ist Ihr eigener kleiner Server im Heimnetz: ein Gehäuse mit zwei bis acht Festplatteneinschüben, das rund um die Uhr läuft und Ihre Dateien im lokalen Netzwerk – und auf Wunsch auch aus dem Internet – bereitstellt. Einmalige Anschaffungskosten für Gerät und Festplatten, danach nur Strom und gelegentliche Wartung. Dafür sind Sie Ihr eigener Administrator.
Die Frage „Was ist günstiger?" lässt sich nicht mit einem Satz beantworten, weil sie von drei Variablen abhängt: Wie viel Speicher brauchen Sie? Wie lange wollen Sie ihn nutzen? Und was ist Ihnen Ihre Zeit wert? Gehen wir sie der Reihe nach durch.
Was die Cloud wirklich kostet – über 5 Jahre
Cloud-Tarife wirken im Monat harmlos – die Summe über Jahre überrascht dann doch. Rechnen wir mit realen, aktuellen Tarifen (Stand: September 2026):
Beispiel 1: iCloud+ 2 TB für 9,99 Euro im Monat. Über fünf Jahre sind das knapp 600 Euro – für reinen Speicherplatz, ohne dass Ihnen danach irgendetwas gehört. Der kleinere Tarif mit 200 GB für 2,99 Euro kommt auf rund 180 Euro in fünf Jahren. Die Staffelung ist simpel: 50 GB für 0,99 Euro, 200 GB für 2,99 Euro, 2 TB für 9,99 Euro pro Monat.
Beispiel 2: Hetzner Storage Share NX11 mit 1 TB für ca. 5 Euro im Monat. Fünf Jahre kosten rund 300 Euro – und mit dem größeren Tarif NX21 (5 TB für ca. 14,19 Euro zzgl. USt. pro Monat) landen Sie bei etwa 850 Euro über fünf Jahre. Dafür bekommen Sie eine vollwertige Nextcloud-Instanz auf deutschen Servern, monatlich kündbar.
Was in diesen Rechnungen steckt und was nicht: Preiserhöhungen sind in fünf Jahren wahrscheinlich – Cloud-Anbieter passen Tarife regelmäßig an, und zwar selten nach unten. Was Sie dafür nicht zahlen: Hardware-Ausfälle, Ersatzfestplatten, Strom, Ihre Administrationszeit und den Ärger bei Defekten. Auch nicht zu vergessen: Der Anbieter kümmert sich um Backups seiner Infrastruktur, um Sicherheitsupdates und um Erreichbarkeit. Das ist der eigentliche Gegenwert der Monatsgebühr.
Einen detaillierten Vergleich der großen Anbieter finden Sie in unserem Cloud-Speicher-Vergleich, deutsche Anbieter beleuchten wir im Vergleich deutscher Cloud-Anbieter.
Was ein NAS wirklich kostet – über 5 Jahre
Die NAS-Rechnung hat zwei Teile: die Einmalinvestition und die laufenden Kosten.
Anschaffung: Ein 2-Bay-NAS-Gehäuse ohne Festplatten liegt je nach Marke und Leistung typischerweise im niedrigen bis mittleren dreistelligen Euro-Bereich; Festplatten (für NAS immer CMR statt SMR wählen), die je nach Kapazität noch einmal einen ähnlichen Betrag kosten. Für ein solides 2-Bay-System mit 2× 4 TB landen Privatanwender in der Praxis meist bei einer Gesamtinvestition im mittleren dreistelligen Euro-Bereich (Stand: September 2026, je nach Marke und Tagespreisen).
Laufende Kosten über fünf Jahre:
- Strom: Ein 2-Bay-NAS mit zwei HDDs verbraucht im Betrieb typischerweise 20–40 Watt. Bei 30 Watt im Dauerbetrieb sind das rund 260 kWh im Jahr – bei aktuellen Strompreisen also etwa 80–100 Euro pro Jahr, über fünf Jahre 400–500 Euro. Das überrascht viele: Der Strom kann über die Lebensdauer teurer werden als das Gerät. Stromspar-Trick: Festplatten-Ruhezustand und Zeitpläne nutzen, aber ehrlich bleiben – wer das NAS als Always-on-Cloud-Ersatz betreibt, zahlt den Dauerbetrieb.
- Ersatz und Erweiterung: Festplatten halten nicht ewig; planen Sie über fünf Jahre mindestens eine Ersatzplatte ein. Auch das ist ein dreistelliger Betrag, den Cloud-Nutzer nie sehen.
- Ihre Zeit: Einrichtung (ein Wochenende), Updates, gelegentliche Problembehebung.
Die ehrliche 5-Jahres-Summe für ein 2-Bay-NAS mit 8 TB Rohkapazität (4 TB nutzbar im RAID 1) liegt damit typischerweise zwischen 800 und 1.200 Euro – Anschaffung, Strom und eine Ersatzplatte eingerechnet. Klingt viel? Teilen Sie es durch 60 Monate: 13–20 Euro im Monat für 4 TB sicheren, eigenen Speicher. Plötzlich sieht die Cloud gar nicht mehr so billig aus.
Die Break-even-Rechnung: Ab wann kippt es?
Der Break-even ist der Zeitpunkt, ab dem das NAS günstiger war als die Cloud-Alternative. Die Formel ist simpel:
Break-even (Monate) = NAS-Gesamtkosten ÷ monatliche Cloud-Kosten
Zwei Beispielrechnungen mit den oben genannten Zahlen (alle Stand: September 2026):
Szenario A – Viel Speicher: 4 TB nutzbar. NAS-Gesamtkosten über fünf Jahre: ca. 1.000 Euro. Cloud-Alternative: 2× 2 TB wären nötig – bei iCloud+ wären das 2× 9,99 Euro = knapp 20 Euro im Monat, bei Hetzner NX21 (5 TB) ca. 14,19 Euro zzgl. USt. Rechnen wir mit rund 17 Euro Cloud-Kosten im Monat: 1.000 ÷ 17 ≈ 59 Monate – also knapp fünf Jahre. Bei größeren Cloud-Tarifen oder Preiserhöhungen kippt es früher.
Szenario B – Wenig Speicher: 500 GB Bedarf. Cloud: iCloud+ 200 GB gibt es nicht in 500 GB – also 2 TB für 9,99 Euro oder Hetzner NX11 (1 TB) für ca. 5 Euro im Monat. NAS für 500 GB anzuschaffen ist wirtschaftlicher Unsinn: Selbst das kleinste sinnvolle NAS kostet mehrere hundert Euro, also 60+ Monatsmieten à 5–10 Euro. Bei unter 1 TB gewinnt die Cloud fast immer, mindestens über einen 5-Jahres-Horizont.
Die Faustregel daraus: Unter 1 TB → Cloud. Über 2 TB dauerhaft → NAS ernsthaft durchrechnen. Dazwischen → es kommt darauf an, vor allem auf Ihre Zeit und Ihre Internetleitung.
Versteckte Kosten, die beide Seiten gern verschweigen
Auf der Cloud-Seite:
- Der Lock-in-Effekt: Nach drei Jahren und 2 TB Daten wechseln Sie nicht mal eben den Anbieter. Der Umzug dauert Tage, geteilte Links brechen, Familienmitglieder müssen umlernen. Diese Wechselkosten sind real, auch wenn sie nicht auf der Rechnung stehen.
- Preiserhöhungen: Sie mieten, Sie besitzen nichts. Erhöht der Anbieter die Preise, zahlen Sie oder ziehen um (siehe oben).
- Datenvolumen beim Umzug: Wer 5 TB aus der Cloud abziehen will, braucht nicht nur Zeit, sondern je nach Internetvertrag auch Geduld – und bei manchen Anbietern Drosselungen.
Auf der NAS-Seite:
- RAID ist kein Backup: Das steht in jedem unserer Artikel, weil es so oft missverstanden wird: Ein RAID schützt vor Festplattenausfall, nicht vor Datenverlust durch Feuer, Diebstahl, Blitzschlag oder Ransomware. Ein NAS ohne separates Backup ist eine trügerische Sicherheit – und das Backup kostet zusätzlich (externe Platte oder Cloud).
- Ihre Administrationszeit: Updates, ausgefallene Platten tauschen, Fernzugriff absichern, bei Problemen recherchieren. Rechnen Sie ehrlich: Was ist Ihnen eine Stunde am Wochenende wert?
- Lärm und Platz: Ein NAS mit zwei HDDs ist hörbar. Im Arbeitszimmer okay, im Schlafzimmer keine gute Idee – und der „Server im Flur" braucht einen festen Platz mit Strom und Netzwerk.
Beide Seiten haben also Kosten jenseits der Euro-Beträge. Wer nur auf den Preis schaut, vergleicht Äpfel mit Birnen.

Nicht alles ist Geld: Verfügbarkeit, Tempo, Aufwand
Verfügbarkeit: Die Cloud ist (fast) immer da – Rechenzentren haben Notstrom, redundante Anbindungen und Personal rund um die Uhr. Ihr NAS zu Hause ist weg, sobald Strom oder Internet ausfallen. Für wen das zählt: alle, die beruflich auf ihre Daten angewiesen sind.
Tempo: Im Heimnetz ist das NAS unschlagbar – Gigabit-Geschwindigkeit, keine Upload-Limits, keine Drosselung. Aus dem Internet hängt alles an Ihrem Upload: Bei typischen 40–50 Mbit/s Upload dauert der Abruf großer Dateien spürbar länger als aus der Cloud mit ihrer Glasfaser-Anbindung. Videografen, die 100-GB-Projekte von unterwegs ziehen, spüren den Unterschied täglich.
Aufwand: Cloud = null Administration. NAS = Sie sind der Admin. Das ist keine Wertung – manche lieben es, die Kontrolle zu haben –, aber es ist ein Faktor, den Sie ehrlich einpreisen müssen. Ein NAS, das monatelang keine Updates sieht, ist ein Sicherheitsrisiko im eigenen Netz.
Datenschutz und Kontrolle: Hier punktet das NAS: Ihre Daten verlassen das Haus nicht (außer zum Backup). Bei der Cloud vertrauen Sie dem Anbieter – bei deutschen Anbietern mit DSGVO und deutschem Serverstandort ist das ein kalkulierbares, geringes Risiko; bei US-Konzernen eine bewusste Abwägung.
Kombinieren statt entscheiden: Die clevere Mitte
Die ehrlichste Antwort auf „Cloud oder NAS?" lautet oft: beides, aber für verschiedene Aufgaben.
- NAS als Hauptablage für große, selten geänderte Daten (Fotoarchiv, Filmsammlung, Projektarchive) – schnell im Heimnetz, günstig pro Terabyte.
- Cloud als Backup-Ziel und für unterwegs: Die wichtigsten Dokumente zusätzlich in der Cloud (das ist gleichzeitig das Offsite-Backup für die 3-2-1-Regel), Kalender und Kontakte sowieso.
- Oder umgekehrt: Cloud als Hauptablage für den Alltag (Dokumente, aktuelle Projekte, Teilen mit anderen), NAS als lokales Backup und Medienarchiv.
Diese Kombination kostet mehr als jede Einzellösung – aber sie ist die einzige, die gleichzeitig schnell, verfügbar und ausfallsicher ist. Unsere Erklärung der 3-2-1-Backup-Regel zeigt, warum genau diese Redundanz der Goldstandard ist.
Für wen passt was? Die ehrliche Empfehlung
- Cloud allein: Weniger als 1 TB Bedarf, mehrere Geräte und Standorte, keine Lust auf Administration, berufliche Verfügbarkeit wichtig. Auch: alle, die primär Dokumente und Fotos synchronisieren wollen.
- NAS allein: Mehr als 2 TB dauerhafter Bedarf, schnelles Heimnetz wichtiger als Fernzugriff, Freude an Technik und Administration, Datenschutz als Priorität – plus ein separates Backup (sonst ist es keine Empfehlung, sondern ein Risiko).
- Kombination: Fotografen und Videografen mit großen Archiven, Familien mit viel Medienkonsum, Freelancer mit wichtigen Kundendaten. Teurer, aber die einzige runde Lösung.
- Weder noch überstürzt: Wer unsicher ist, startet mit der Cloud (monatlich kündbar, null Risiko) und rechnet nach einem Jahr mit echten Verbrauchsdaten neu. Das NAS läuft nicht weg.
- Unter 1 TB ist die Cloud über fünf Jahre fast immer günstiger – ein NAS lohnt sich erst ab dauerhaft mehreren Terabyte.
- Break-even-Formel: NAS-Gesamtkosten ÷ monatliche Cloud-Kosten = Monate bis zum Kipppunkt; typischerweise 2–5 Jahre je nach Szenario.
- Strom nicht vergessen: 20–40 Watt Dauerbetrieb summieren sich über fünf Jahre auf 400–500 Euro – oft teurer als gedacht.
- RAID ist kein Backup: Ein NAS ohne separate Sicherungskopie ist trügerische Sicherheit; das Backup kostet extra.
- Nicht nur Euro zählen: Verfügbarkeit, Tempo (Heimnetz vs. Upload), Administrationsaufwand und Datenschutz wiegen genauso schwer.
- Die clevere Mitte: NAS für große lokale Daten, Cloud für Alltag und Offsite-Backup – teurer, aber die rundeste Lösung.
Häufige Fragen
Kann ich mit einem NAS komplett auf die Cloud verzichten?
Technisch ja, sinnvoll nur mit Disziplin: Sie brauchen dann ein Offsite-Backup (z. B. externe Platte bei Verwandten oder ein kleines Cloud-Kontingent), Fernzugriff mit sauberer Absicherung und einen Plan für Stromausfälle. Die meisten, die „komplett ohne Cloud" starten, landen nach einem Jahr bei einer kleinen Cloud-Ergänzung.
Wie lange hält ein NAS?
Das Gehäuse selbst hält bei guter Pflege 7–10 Jahre und länger; Festplatten sollten Sie nach 4–6 Jahren proaktiv ersetzen, auch wenn sie noch laufen. Rechnen Sie in Ihrer Kalkulation also mindestens einen Plattentausch über die Lebensdauer ein.
Ist ein NAS für Anfänger geeignet?
Moderne Systeme von Synology oder QNAP führen anfängerfreundlich durch die Einrichtung. Ehrlich gesagt: Wer noch nie ein Gerät im Netzwerk eingerichtet hat, sollte mit der Cloud beginnen und das NAS als zweites Projekt angehen.
Was ist günstiger für Fotos: Google Fotos, iCloud oder NAS?
Bei wenigen hundert Gigabyte: die Cloud (Bequemlichkeit, Teilen, automatische Backups vom Smartphone). Bei mehreren Terabyte RAW-Fotos über Jahre: das NAS – aber nur mit Backup-Konzept. Viele Fotografen nutzen beides: Cloud für die Auswahl, NAS für das Archiv.
Verbraucht ein NAS wirklich so viel Strom?
20–40 Watt für ein 2-Bay-System mit HDDs sind realistisch im Betrieb; im Ruhezustand deutlich weniger. Wer das Gerät per Zeitplan nachts und im Urlaub schlafen schickt, drückt die Kosten spürbar – erkauft das aber mit fehlender Verfügbarkeit in diesen Zeiten.
Quellen
- Hetzner Storage Share, offizielle Produktseite (Tarife NX11/NX21, Standorte, DSGVO): https://www.hetzner.com/de/storage/storage-share/
- Apple iCloud+ Tarife (50 GB 0,99 €, 200 GB 2,99 €, 2 TB 9,99 € pro Monat): https://global.techradar.com/de-de/pro/apple-icloud-speicher-wie-viel-brauchst-du-wirklich
Alle Preise und Beispielrechnungen: Stand September 2026. Tatsächliche Kosten hängen von Tarifen, Strompreisen und Ihrer Konfiguration ab – rechnen Sie mit Ihren eigenen Zahlen nach.
